Quartalsbericht Q1 2026
27. April 2026
Vorwort – Geschätzte Investoren
Die Entwicklungen im ersten Quartal 2026 bestätigen in bemerkenswerter Klarheit, was sich bereits im Verlauf des Jahres 2025 abgezeichnet hatte: Die Weltwirtschaft befindet sich in einem strukturellen Regimewechsel. Weg von einer global integrierten, US-dominierten Ordnung hin zu einer multipolaren, fragmentierten und zunehmend sicherheitsgetriebenen Welt.
Der jüngste Konflikt im Nahen Osten – rund um den Iran – ist dabei nicht die Ursache dieser Entwicklung, sondern vielmehr ein weiterer Katalysator. Die geopolitischen Spannungen wirken als Beschleuniger eines Trends, der sich seit Jahren aufgebaut hat.
Was ist im 1. Quartal passiert?
Geopolitisch ist das Umfeld immer grösseren Spannungen ausgesetzt. Die Konfliktdynamik im Nahen Osten sowie die anhaltenden Differenzen zwischen den USA und China verdeutlichen, dass geopolitische Risiken nicht mehr als temporäre Störfaktoren zu betrachten sind, sondern als struktureller Bestandteil des Systems.
Wir erwarten eine Lösung, bei dem der Konflikt zwar weiterbesteht, aber der Rohstofffluss – insbesondere Öl und Gas – unter Störungen gewährleistet bleibt. Dieses Muster entspricht historischen Erfahrungen. Die Finanzmärkte haben dieses Szenario aber bereits weitgehend eingepreist. Daraus ergibt sich ein asymmetrisches Risikoprofil mit klarem Abwärtsrisiko im Eskalationsfall.
Makroökonomisch beobachten wir eine Fortsetzung der bereits sichtbaren Trends:
- Steigende fiskalische Impulse, insbesondere in Europa aber auch in China
- Zunehmenden politischen Einfluss auf Kapitalströme
- Wachsende Divergenz zwischen Sektoren und Regionen
Geopolitik
Es zeichnet sich immer klarer ein Ende der US-dominierten unipolaren Welt (Pax Americana) ab – hin zu einem Übergang in eine multipolare Welt mit den USA, China, Russland und hoffentlich auch Europa als massgeblichen Parteien.
Konsequenzen:
- Handelswege verlieren ihren Status als „öffentliches Gut“
- Strategische Engpässe werden zu Machtinstrumenten
- Staaten agieren stärker interessengeleitet (Bildung von Machtblöcken ist zu erwarten)
Kapitalsicherheit wird zu einem zentralen Investitionskriterium.
Zinspolitik der Zentralbanken (inkl. Konjunktur & Inflation)
Inflation ist kein temporäres Phänomen mehr.
Treiber:
- Re-Regionalisierung von Produktionsketten (neue Allianzen)
- Aufbau von strategischen Lagerbeständen (v.a. Rohstoffe und Energie)
- Steigende Rohstoff- und Energiepreise
- Expansive Fiskalpolitik
Wir bewegen uns in einem Umfeld mit strukturell höherer Inflation. Die Zentralbanken sind zunehmend gefordert den Balanceakt zwischen Preisstabilität und Vollbeschäftigung zu finden. Wir sind der Meinung, dass die Zentralbanken im Zweifelsfall eine erhöhte Inflation zulassen werden, auch wenn das Wachstum auf bescheidenem Niveau verharren sollte (Stagflation). So können die hohen Schuldenberge wenigstens im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandprodukt im Zaum gehalten werden. Es besteht eine latente Gefahr von finanzieller Repression (politisch gesteuerte Kombination aus niedrigen Zinsen + Regulierung + Inflation). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dies von vielen Industrieländer eingesetzt, um die Staatsschuldenquote zu reduzieren, ohne explizites Sparen.
Parallel zeigt sich ein Investitions-Superzyklus:
- Re-Industrialisierung von «Dienstleistungsnationen»
- Infrastrukturprogramme
- Energieautarkie (Zugang zu diversen Energiequellen und Partnern wird immer wichtiger)
- Steigende Verteidigungsausgaben
Währungen
Der strukturelle Abwertungsdruck auf den USD dürfte weiter anhalten.
Profiteure:
- Rohstoffwährungen (Brasilien, Australien, Norwegen, Kanada)
- Chinesischer Renminbi
- Schweizer Franken
Sektoren
Unsere Messungen des Momentums (relative Stärke) der verschiedenen Sektoren untereinander zeigen aktuell folgendes Bild:
Neuigkeiten aus der Unternehmenswelt
Im ersten Quartal 2026 konnten bis jetzt überraschend starke Unternehmensresultate verzeichnet werden. 88% der Unternehmen aus dem S&P 500 Index in den USA haben die Gewinnerwartungen übertroffen, was deutlich über dem historischen Durchschnitt liegt. Das Gewinnwachstum liegt bei beeindruckenden 13% im Jahresvergleich. Auch auf der Umsatzseite konnten die meisten Resultate die Schätzungen der Analysten übertreffen. Überdurchschnittlich positive Überraschungen gab es bei den Banken und im Energie- und Rohstoffbereich. Gute Ergebnisse kamen auch aus Teilen des Technologiesektors, vor allem aus dem Bereich Halbleiter und KI-Infrastruktur. Sie profitieren weiterhin von den gigantischen Investitionen in den Ausbau von KI-Kapazitäten der Hyperscaler.
Gemischte Ergebnisse kamen aus den Bereichen Pharma (schwächeres Gewinnwachstum) und aus dem breiteren Technologiesektor, wo die Angst von KI-Disruption zu Korrekturen führte. Schwächere Ergebnisse kamen vor allem auch aus dem Bereich des zyklischen Konsums.
Positionierung 2025
- Aufgrund der überkauften Marktsituation halten wir eine erhöhte Cashquote. Bei allfälligen Korrekturen werden wir die Liquidität gezielt und gestaffelt für Aktienzukäufe einsetzen.
- Die USD- und EUR-Liquidität haben wir in Callgeldern angelegt, wobei wir den USD-Anteil reduziert haben.
- Wenn es das Risikoprofil erlaubt, setzen wir auf Schweizer Dividendenpapiere, da Obligationen "renditeloses Risiko" sind.
- Hochwertige Unternehmensanleihen mit Laufzeiten zwischen 3 bis 5 Jahren bringen aktuell ca. 4.5-4.80% Rendite p.a. in USD. Der Abgabedruck auf dem USD dürfte aber weiter anhalten.
- Wir bevorzugen generell kurze Laufzeiten, da der Inflationsdruck wieder zugenommen hat.
- Die Kreditrisikoprämien zwischen hochverzinslichen Anleihen und Anleihen von hoher Qualität sind gering. Die Anleihenmärkte signalisieren auf diesen Spread-Levels weder Rezessionsrisiken noch erhöhte Nervosität.
- Für den breiten Aktienmarkt sind wir aufgrund der teils hohen Bewertungen vorsichtig bis neutral positioniert.
- Die Aktienmärkte der Emerging Markets sind attraktiv bewertet und sollten vom Druck auf den USD profitieren.
- Fokus auf inflationsresiliente Geschäftsmodelle (Short Duration Assets und Rohstoffe).
- In der Schweiz setzen wir auf defensive Dividendenaktien aufgrund des Anlagenotstands im CHF.
- Wie von uns erwartet haben Gold, Silber und Platin nach der rasanten Rally im 1. Quartal korrigiert. Auch die Minen wurden im Zuge der Korrektur in Mitleidenschaft gezogen.
- Die fundamentalen Treiber für Gold bleiben weiterhin intakt (Notenbankkäufe, USD-Schwäche, hohe Staatsverschuldungen, sinkende Realrenditen und generelle Flucht in Sachwerte)!
- Gold- und Silberminenaktien präsentieren sind nach der Korrektur nun noch attraktiver.
Fazit
Das erste Quartal 2026 ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Welt Schritt für Schritt auf dem Weg in ein neues wirtschaftliches und geopolitisches Regime befindet. Die groben Konturen sind immer klarer zu erkennen.
Die Welt bewegt sich:
- Von Effizienz zu Resilienz
- Von Globalisierung zu Fragmentierung
- Von Kapitalleichtigkeit zu Kapitalintensität
Für Investoren bedeutet dies eine fundamentale Neuausrichtung: Weg von rein finanzgetriebenen Narrativen – hin zu realwirtschaftlichen Knappheiten, geopolitischen Dynamiken und physischen Vermögenswerten. Der nächste Zyklus gehört nicht den „Asset-light“-Gewinnern der letzten Dekade, sondern den Fundamenten der realen Wirtschaft.
Marktdaten